Es geht! Speiseplan für eine Woche Hartz IV

Von 64 € pro Woche können zwei Personen gesund leben. So lautet das Fazit des angekündigten Selbstversuchs, den meine Frau und ich vom 08. bis 14. September 2010 unternommen haben. Inspiriert worden bin ich dazu durch die Lektüre des Buchs “Deutschland schafft sich ab.”. Darin heißt es ab Seite 115ff:

“Der Regelsatz der Sozialhilfe, der auch für Arbeitslosengeld II und Grundsicherung gilt, reicht aus, um sich abwechslungsreich, ausgewogen und gesund zu ernähren. [...]
Daraus ergibt sich, dass ein Haushalt, der Grundsicherung, Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II bezieht, im Monat durchschnittlich 247 Euro für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren kann, wenn er sich an der Verbrauchsstruktur des Regelsatzes orientiert. [...]
[So] hatten meine Frau und ich uns für einige Tage im Rahmen des Regelsatzes der Sozialhilfe ernährt, was gar keiner besonderen Anstrengung bedurfte. Dann bat ich eine Mitarbeiterin meiner Verwaltung, anhand von Testkäufen einen Speiseplan für drei Tage zu erstellen. Dieser war sehr ausgewogen und abwechslungsreich und enthielt jeden Tag Tag vier Mahlzeiten. Einmal gab es allerdings Bratwurst , und die Bratwurst war das Einzige, was fortan aus diesem Speiseplan zitiert wurde.”

Unser Plan richtete sich auf eine Woche, in der wir uns von 64 Euro ernähren wollten; dies entspräche einem monatlichen Satz von zurzeit 256 €, läge also 7 Euro über dem damaligen Satz den Thilo Sarrazin herangezogen hatte. Die Planung war nicht ganz so trivial, wie im Buch dargestellt. Unser Ziele bestand nur aus drei Mahlzeiten pro Tag, aber inklusive unterschiedlichen Snacks, die mal zwischendurch gegessen werden können. Das kann aber auch daran liegen, dass wir das bewusst kalkulieren und auch bewusst diese Umstellung vollziehen mussten. Die Hauptarbeit hatte meine Frau, die eine Excel-Tabelle mit den Daten erstellte. Aus dieser Tabelle mit den einzelnen Zutaten hier ein Zusammenfassung:


Hauptmahlzeiten
€ 2,44 Geschmorter Kürbis mit Chinesischen Eiern und Tomaten, dazu Reis
€ 4,31 Spanischer Reis mit Hackfleisch
€ 4,48 Pute Chili Mole mit Reis
€ 3,70 Scharfe Kürbissuppe sowie geröstete Kürbniskerne
€ 5,76 Thunfisch-Nudel-Auflauf
€ 3,96 Backofen-Hähnchenunterschenkel mit Cajun-Backofen-Pommes und Gemüse
€ 5,17 Spaghetti mit Bolognese Sauce

Weitere Mahlzeiten
€ 8,04 Sandwiche/Butterbrote
€ 1,31 Kürbisbrot (Muffins)
€ 0,65 Crêpes
€ 0,63 Brötchen

Verschiedene Lebensmittel
€ 18,85 Erdnussbutter. Käste, Kaffee, Tee, Wasser, Obst
Darin sind € 6,70 enthalten für Getränke, die außer Haus getrunken wurden und daher recht teuer waren.

Gesamtsumme
€ 59,29

Fazit
Es geht. Die Ernährung war ausgewogen. Wir haben die Lebensmittel beim Rewe-Markt “umme Ecke” (Rewe Mokanzki) gekauft. Wir haben keine Markt übergreifenden Preisvergleiche angestellt. Allerdings hat Pamela einmal anderes Fleisch gekauft, anstatt Putenfilet, welche kein geschnitten wird. Die Bequemlichkeit steht uns daWeg, aber der Kilopreis unterscheidet sich um ein Mehrfaches.

Als Einschnitt war eine gewisse, selbst wahrgenommene soziale Ausgrenzung in der Woche zu bemerken. Anstatt das luxuriös belegte Brötchen beim Bäcker zu kaufen und auch einen Kaffee to-go, musst ich nun planen: Morgens wurden Butterbrote geschmiert und eine kleine Flasche Wasser mitgenommen. Und dann ist das Verzehren von Getränken und Speisen teilweise sozial geboten. Wir waren bei einem Erntedank-Gottesdienst, in dessen Anschluss selbst gebackener Kuchen verkauft wurde, und bei einigen Verabredungen, bei denen in einem Café oder einer Kneipe auch erwartet wird, etwas zu verzehren. Das fällt uns erst richtig auf, wenn es nicht in den Plan passt. Auch die Bedeutung eines Netzwerks fällt auf, wenn dann plötzlich Einladungen zum Essen und Trinken eintreffen. Als Lehre nehme ich mit, bei der Organisation von Veranstaltungen noch mehr darauf zu achten, dass es keinen Zwangsverzehr gibt. Dagegen verstoße ich aber schon wieder mit der geplanten Veranstaltung zu Sarrazins Buch.

Weiterhin denke ich, dass sich so zu ernähren wie in dieser Woche etwas Planung erfordert. Diese Sparsamkeit ist nicht für nichts zu haben. Andersherum gesagt: Viel Geld wird auch benötigt, da wir uns angewöhnt haben, ohne Planung und beim Entstehen eines Bedürfnisses sofort mit Geld eine Lösung zu finden. Das ist ein Luxus. Sarrazin war seiner Zeit kritisiert worden, dass es bei seinem Speiseplan (S. 177 im Buch) Bratwurst gegeben habe. Seine Bratwurst ist unser Kürbis. Und diesen gab es in mehren Formen: als Suppe, Muffins und geröstete Kürbiskerne. Aber gegen eine vernünftige Planung spricht doch nicht. Die kann doch erwartet werden. Ansonsten muss man lernen oder muss geholfen werden, so zu planen.

Ich empfehle ich jedem, das Experiment mal zu machen. Man erfährt einiges über seine eigenen Angewohnheiten dabei.

Die Energiekosten wurden bei diesem Versuch nicht berücksichtigt.

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